Von Schäden und Entschädigungen
Veröffentlicht am 26. April 2008 um 18:43 UhrAutor: Der Stadtrat
Wer ein kommunales Ehrenamt (und das ist der Platz im Münchner Stadtrat, auch, wenn man nach der Lektüre dieses Artikel anderer Meinung sein kann) übernimmt, hat erstmal einen Schaden. Er muß Zeit aufwenden, hat Mühen und Ausgaben. Warum wir Verrückten uns dann sechs Wochen vor das Rathaus gestellt und Unterschriften gesammelt haben, weiß ich aber nicht.
Aber wie gesagt, man hat prinzipiell einen Schaden und der soll einem entschädigt werden. Mit gut 2100 Euro pro Monat ist man in München dabei und das ist doch ganz ordentlich. Jetzt geht es aber noch weiter: Zusätzlich werden einem bis zu 60 Stunden Aufwand pro Monat mit jeweils gut 30 Euro (als Selbständiger) vergütet. Welche Berechtigung diese Zahlung neben dem Grundentgelt hat, erschließt sich mir nicht so ganz.
Diese 60 Stunden kann man durch Plenums- und Ausschußsitzungen zusammenkriegen, aber auch durch „Wegezeiten“ – den Weg, den ich von daheim zum Rathaus brauche. Mal eine Frage an die hier mitlesenden Arbeitnehmer: Wie viele von euch bekommen den Weg durch den Berufsverkehr erstattet?
Zur Abrechnung der Anfahrtszeit soll ein Durchschnittswert herangezogen werden, der aber, so wurde uns gleich gesagt „nicht auf die Minute nachgeprüft wird“. Von meiner Wohnung zum Pasinger Bahnhof brauche ich ca. zehn Minuten, mit der S-Bahn zum Marienplatz dann 13 Minuten. Rolltreppe hoch, durch das Untergeschoß, in den Rathausinnenhof und Treppen hoch vielleicht nochmal drei Minuten. Das ist aber schon ein Idealweg; wenn ich jetzt noch rechne, daß ich auch mal fünf bis sieben Minuten auf die nächste S-Bahn warten muß, weil der Takt nicht ganz stimmt, würde sich das nochmal erhöhen. Aber so unverschämt will ich gar nicht sein; ich finde es so schon bedenklich, daß eine An- und Heimfahrt von insgesamt 50 Minuten dem Steuerzahler 25 Euro kostet. Wohlgemerkt, reines Wegegeld, die Fahrt an sich ist schon in der – ebenfalls kostenlosen – IsarCard enthalten.
Naja, das hat wohl alles seine Richtigkeit. Denn wer den Schaden hat…
Allgemeines
Nicht von mir:
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Autor: Holger am 27 Apr, 2008 | Antworten
Für eine ehernamtliche Tätigkeit ist das aber eine Menge Entschädigung. Ich arbeite Vollzeit und habe nicht so viel Geld zur Verfügung.
Eigentlich eine traurige Sache und ich finde es – so Leid es mir tut – unverschämt. Gibt es eine plausible Begründung für die hohen Summen, die da gezahlt werden? Wer legt das alles fest?
In einem andren Beitrag hast du noch was von einer Kette geschrieben. Sowas muss keine 10.000 Euro kosten. Beim besten Willen nicht. Geht’s da nicht billiger?
Autor: Der Stadtrat am 28 Apr, 2008 | Antworten
Mir ist keine bekannt. Wenn man sich richtig reinhängt, dann ist der Stundenlohn vielleicht nicht mehr so exzessiv, aber immer noch ganz ordentlich.
Der Stadtrat selbst.
Mit Sicherheit. Aber ich schätze, daß die Ketten einfach noch „da sind“ und daher wohl schon historischen Wert haben.
Ich sehe schon, daß die ganzen finanziellen Dinge am interessantesten sind. Insofern ist es vielleicht nicht schlecht, wenn das mal öffentlich gemacht wird.