Politisch korrekt

Veröffentlicht am 27. April 2008 um 13:35 Uhr  
Autor: Der Stadtrat
Kategorie: Allgemeines | Autor: Der Stadtrat

Daran, daß München politisch korrekt ist, kann es keinen Zweifel geben. Schließlich sind wir nicht nur rot-grün, sondern auch noch rot-grün-rosa. Wir verbieten Maibäume, haben dafür aber einen Antidiskriminierungszusatz unter städtischen Stellenausschreibungen, der fast schon nach Satire klingt. Aber alles hat seine Grenzen – dachte ich.

Bei der Einführungsveranstaltung wurde uns auch noch gesagt, daß wir personalisiertes Büromaterial bekommen: Visitenkarten, C5-Umschläge, Briefpapier. Jeweils 500 Stück und damit fällt das wohl im Vergleich zu den sonstigen Wohltaten kaum ins Gewicht. Und damit man sich das anschauen kann, gab es auch gleich ein Muster davon mit. Kurz gesagt: Eine besondere Schönheit sind die Dinger nicht, schwarz-weiß gedruckt, nur das Münchner Wappen drauf und außerdem halt Name, Rathausadresse und Kontaktdaten. Ich werd wohl darauf verzichten und eigene Versionen benutzen.

Daß das Musterexemplar auf Frau „Andrea Mustermann, ehrenamtliche Stadträtin“ lautete, wäre ja noch als Gag durchgegangen. Wir sind halt rot-grün und da muß es nicht immer der Herr Mustermann sein. Aber als ich dann weitergeblättert hab, kamen mir dann schon leichte Zweifel – das ganze wurde auch noch für Herrn Andreas Mustermann gedruckt.

OK, die Kosten dafür mögen marginal sein. Aber was genau will uns die Stadt damit sagen, daß wir zwei geschlechtsverschiedene Muster bekommen? Daß es Männer und Frauen gibt? Daß man die dann Stadträte und Stadträtinnen nennt?

An sich hätte man ja auch diese furchtbare Binnen-I-Schreibweise nehmen können, die vor zehn bis zwanzig Jahren mal modern war. Darum heißen Leserbriefe bei der taz auch ernsthaft „LeserInnenbriefe“. Aber „AndreaS MustermannFrau, ehrenamtlicheR StadtraÄtIn“ schaut doch irgendwie doof aus…

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6 Antworten zu “Politisch korrekt”

  1. Autor: Steffi am 28 Apr, 2008 | Antworten

    Also ich finds gut dass wir Frauen auch mal berücksichtigt werden!

  2. Autor: Der Stadtrat am 28 Apr, 2008 | Antworten

    Naja, im Münchner Stadtrat könnt ihr euch ja nicht beschweren. Meinetwegen hätten die mir auch gerne nur die Musterfrau-Briefbögen zeigen können. Aber beide… das ist so… so sinnlos…

  3. Autor: Fellow Passenger am 28 Apr, 2008 | Antworten

    Eigentlich hätte es die gute alte Erika Mustermann vollends getan. Ich denke nicht daß sich Männer dadurch diskriminiert gefühlt hätten.

  4. Autor: MuGo am 28 Apr, 2008 | Antworten

    Wir haben halt ein Antidiskriminierungsgesetz – das gilt eben auch für Männer. Da kann man dann auch schon zwei Mal das selbe drucken, nur eben mit anderen Namen drauf. Nicht, dass sich da noch jemand vergessen fühlt…^^

    München ist halt eine reiche Stadt, da kann man sich’s schon mal leisten!

  5. Autor: Der Stadtrat am 29 Apr, 2008 | Antworten

    Freilich, leisten kann sich München das und prinzipiell ist es mir ja auch wurscht. Aber irgendwie ist das schon eine Kuriosität und ich frag mich einfach, wie es zu so etwas kommt. Da planen einige Mitarbeiter die Einführungsveranstaltung, sie denken daran, uns schonmal Muster der Drucksachen zukommen zu lassen, und dann beginnt das große Nachdenken, was man da jetzt draufschreibt…? Ich persönlich würde da nicht auf die Idee kommen, auch brav beide Geschlechter zu berücksichtigen. Und in sechs Jahren, wenn die nächste Stadtratsriege einrückt, gibt es vielleicht auch eine Version auf den Namen „Ali Musteroglu“…

  1. 1 Trackback(s)

  2. Apr 30, 2008: Kindergartenartige Politische Korrektheit | DER MISANTHROP

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