Ceterum censeo

Veröffentlicht am 11. Mai 2008 um 17:58 Uhr  
Autor: Der Stadtrat
Kategorie: Allgemeines | Autor: Der Stadtrat

Es gibt bekanntermaßen viele Dinge, für die der Münchner Stadtrat nicht zuständig ist. Aber wenn man schon im Stadtrat sitzt, dann will man verständlicherweise seine Meinung gerne kundtun. Und weil es irgendwie doof wäre, so zu tun, als sei man zuständig, greift man zu einem bemerkenswerten Trick: Man gibt dem Oberbürgermeister mit auf den Weg, die Meinung des Stadtrats auf dem nächsten Städtetag zu vertreten. Der Städtetag ist zwar in aller Regel auch nicht zuständig; er ist sogar, nüchtern betrachtet, für gar nichts zuständig. Aber Christian Ude ist dessen Präsident und wenn er dann die Meinung des Münchner Stadtrats verkündet, dann macht das Eindruck. Aber es macht natürlich keinen Unterschied in der Sache.

So geschehen bei der letzten Sitzung am Mittwoch; dort ging es um die Bahnprivatisierung. Daß der Münchner Stadtrat die Deutsche (Bundes-) Bahn nicht im Alleingang privatisiert, dürfte wohl allen klar sein. Um es nicht ganz so albern klingen zu lassen, hat man den Antrag daher „Keine Bahn-Privatisierung gegen die Interessen der Kommunen!“ genannt. Was folgte, war – mal ganz ehrlich gesagt – an Langeweile und Sinnlosigkeit kaum zu überbieten.

Die Redner jeder Partei brachten Argumente für und wider die Bahnprivatisierung auf den Tisch und stritten dann, da sie ja wohl nicht aufzuhalten ist, ernsthaft darum, was mit dem Geld zu tun sei – als ob sie da irgendetwas mitzureden hatten. Und tatsächlich fingen manche auch ihren Vortrag sinngemäß mit den Worten „Wir haben da ja nichts mitzureden, aber…“ an.

Nur zur Erinnerung: Wenn 80 Stadträte eine Stunde lang Sitzung haben, kostet das die Stadt mindestens 2000 Euro…

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8 Antworten zu “Ceterum censeo”

  1. Autor: Flocke von Kroetengruen am 12 Mai, 2008 | Antworten

    Okay… kein Problem: Ich geb den 80 Stadträten für die nächste Sitzung frei und nehm die 2.000,– €uronen :-)

  2. Autor: Der Stadtrat am 13 Mai, 2008 | Antworten

    Tsss… kaum packt man hier mal die größeren Summen aus, schon werden alle ruachad (gierig)… ;-)

  3. Autor: Frank am 13 Mai, 2008 | Antworten

    Wie kommen diese 2000 Euro eigentlich zustande? Nachdem du das finanzielle ja doch immer ganz transparent darstellst, würde mich das schon interessieren.

  4. Autor: Schlumpf am 14 Mai, 2008 | Antworten

    Macht durchschnittlich 25 € pro Stadtrat – kein schlechter Stundenlohn. Jedenfalls im Vergleich zum „Stundenlohn“ eines durchschnittlichen Beamten oder Angestelltem im öffentlichen Dienst.

  5. Autor: Der Stadtrat am 14 Mai, 2008 | Antworten

    Ich hab’s mal hier beantwortet: http://im-stadtrat.de/warum-kostet-eine-stunde-sitzung-2000-euro/

  6. Autor: Werner Hartmann am 11 Jun, 2008 | Antworten

    Hat vielleicht irgendein Stadtrat – egal welcher Fraktion – darüber nachgedacht/diskutiert, ob die Stadt München bei der Bahn-Privatisierung Aktien der Deutschen Bahn AG zeichnen/kaufen sollte?

    Dies wäre nämlich m. M. die eizige Frage, die der Stadtrat in Bezug auf die Bahn-Privatisierung tatsächlich zu entscheiden hat!

  7. Autor: Der Stadtrat am 12 Jun, 2008 | Antworten

    Stimmt, und eigentlich auch ein ganz interessanter Ansatz. Wenn man die Bahn schon nicht verstaatlichen kann, könnte man sie wenigstens verstädtischen. Das wirft aber wieder handfeste Probleme auf, mit denen sich der Stadtrat eher ungern beschäftigt.

  1. 1 Trackback(s)

  2. Mai 14, 2008: Im Stadtrat » Warum kostet eine Stunde Sitzung 2000 Euro?

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