Tatüüü-tataaa!
Veröffentlicht am 17. Mai 2008 um 23:55 UhrAutor: Der Stadtrat
So, jetzt schreibe ich endlich mal etwas zum Feuersicherheitsdienst, den ich als Stadtrat so ableisten muß. Es gibt bei jedem städtischen Theater, bei der Oper und bei zahlreichen kleineren Bühnen eigene Plätze, die für Brandschutzbeauftragte reserviert sind. Hierzu werden neben freiwilligen und Berufsfeuerwehrmännernmenschen auch wir Stadträte herangezogen. Das ganze war die Idee des früheren OBs Vogel; der wollte, daß die Stadträte etwas kulturbeflissener werden – wurde mir jedenfalls so gesagt. Der Brandschutzdienst war da mehr ein Vorwand, um die Stadträte mit Freikarten ausstatten zu können. Prinzipiell finde ich das ja auch nicht falsch, daß wir uns anschauen sollen, worüber wir dann auch entscheiden.
Der Dienst selber ist aber im Grunde ein Witz: Ich soll schließlich nicht löschen, sondern nur dafür sorgen, daß die anderen Besucher ruhig bleiben. Ich muß dann also auf die Bühne klettern, meine saalfüllendste Stimme auspacken und verkünden: „Nur die Ruhe, ich bin Stadtrat! Hier verbrennt keiner, wenn ich das nicht ausdrücklich befehle!“ Schlagartig wird sich die Panik legen, die Leute vertrauen der Autorität meines hohen Amtes, sind erleichtert und gehen im Gänsemarsch nach draußen – oder setzen sich gar wieder auf ihre Plätze, schließlich kann jetzt gar nichts mehr passieren, der Stadtrat ist ja hier.
Insofern ist es schon bezeichnend, daß im Merkblatt dazu auch steht, meine oberste Pflicht sei es, selbst ruhig zu bleiben. Ich bin also dazu da, daß ich selber Haltung bewahre und nicht mit einem panischen „Wir werden alle sterben!“ Frauen und Kinder zur Seite schubse, um möglichst schnell in Sicherheit zu kommen.
Die Wahrnehmung des Feuersicherheitsdienstes ist übrigens Pflicht, wie alles, was mit einem kommunalen Ehrenamt zusammenhängt. Darum müssen die Theater den Brandschutzdirektionen auch melden, wenn ich meiner Funktion nicht nachgekommen bin, also nicht da war, zu spät gekommen oder zu früh gegangen bin. Und wenn das zweimal vorgekommen ist, dann werde ich ob meiner Unzuverlässigkeit von der Liste gestrichen. Theoretisch könnte mir der Stadtrat wahrscheinlich noch ein Zwangs- oder Ordnungsgeld auferlegen, aber ich bezweifle, daß das jemals passiert. Das muß man sich nochmal vor Augen führen: Ich muß da sein und wenn ich zweimal nicht da war, dann brauch ich nicht mehr da zu sein.
Meine persönliche Meinung zu den Münchner Bühnen, die ich mir übrigens schon ganz ohne feuersicherheitsdienstliche Freikarten bilden konnte: Es wäre schön, wenn man einen Klassiker auch mal als Klassiker inszenieren würde. Aber heutzutage ist leider nur der ein guter Regisseur, der möglichst wenig von der Substanz des Stückes erhält und möglichst viel Blut, möglichst viele Nackte und möglichst noch irgendeine politische oder religiöse Provokation unterbringt.
Allgemeines
Autor: Die Freundin am 18 Mai, 2008 | Antworten
Ich finde, du solltest wenigstens zwei Ausweise/Eintrittskarten bekommen, damit du deine herzallerliebste Freundin mit zum Feuerwehreinsatz nehmen kannst.
Autor: Augustin am 18 Mai, 2008 | Antworten
Eben, nimm dein Schatzl mit, lieber Thomas. Aber bairisches Mundartheater doch net Brecht odeR?
Autor: Der Stadtrat am 19 Mai, 2008 | Antworten
Das dürfte etwas problematisch sein – ich hab ja nur den einen Sitz und wenn man da eine zusätzliche Karte kauft, ist die höchstwahrscheinlich nicht daneben.
Autor: Werner Hartmann am 11 Jun, 2008 | Antworten
Bei vielen Theater kann man beim Kartenkauf über das Internet sich seine Plätze selbst aussuchen und buchen.
Wenn du also eine Karte zu deinem Feuersicherheitsdienst zukaufen willst, kannst du dir natürlich auch direkt den Platz neben dir aussuchen – vorausgesetzt er ist noch frei.
Beim Gärtnerplatztheater z. B. funktioniert dies, beim Deutschen Theater jedoch nicht.