Fronleichnamsprozession

Veröffentlicht am 23. Mai 2008 um 18:21 Uhr  
Autor: Der Stadtrat
Kategorie: Allgemeines | Autor: Der Stadtrat

Kurz vor acht im Herzen Münchens.

Es begann um dreiviertel acht auf dem Marienplatz; der war übrigens sehr schön mit weiß-blau gerauteten bayerischen und schwarz-gelb gerauteten Münchner Fahnen geschmückt, daneben einige weiß-gelbe vatikanische, aber keine einzige Bundesflagge. Meine Parteifreunde und ich wollten uns eigentlich im Prunkhof treffen, der war aber abgesperrt, weil man die Gänge des Rathausteils, in dem auch mein Büro untergebracht ist, als Umkleidekabinen für die beteiligte Geistlichkeit nutzen wollte. Nach ein paar freundlichen Worten hat mich der zuständige Feuerwehrler (oder THW?) dann wenigstens kurz ins Büro gelassen, um die Fahnen zu holen.

Mit unseren Erkennungszeichen ausgerüstet suchten wir dann die Plätze. Wir Ehrengäste („Gruppe A“, das wird später noch eine Rolle spielen) sollten eigentlich in der Mitte direkt vor dem Altar sitzen, während alle um uns rum stehen. Da ich mir da etwas komisch vorgekommen wäre, ich nicht wußte, ob wir alle dort Plätze hatten oder nur ich, und weil es schließlich störend gewesen wäre, wenn wir mit unseren Fahnen (die wir ja nicht auf den Boden legen wollten) die Sicht behindert hätten, sind wir lieber an der Seite stehengeblieben. Die Messe war nicht übermäßig prägnant, außerdem wurde viel von Hunger und Durscht (im spirituellen Sinne) gepredigt; da wir alle nicht gefrühstückt hatten, verspürten wir tatsächlich Hunger und Durscht (im körperlichen Sinne).

Nach gut 1 1/2 Stunden ging dann die Prozession los. Wir waren nun nicht ganz sicher, welche von beiden Straßen am Rathaus vorbei der Zug nehmen würde. Da die ersten Vereine bereits über den östlichen Weg entschwanden und die prozessionserfahrenen unter uns meinten, daß der Bischof nicht unbedingt als erster geht, begaben wir uns ans Eck des Rathauses und warteten auf die hohe Geistlichkeit, an die sich die Ehrengäste anschließen sollten. Als dann die ersten Stadtratskollegen an uns vorbei waren, mußten wir noch schnell einem eifrigen Ordner die Platzkarte („Gruppe A“) zeigen, bevor er uns glaubte, daß wir dazugehören, und uns seitlich einscheren ließ.

Mit Fahnen vor der Feldherrnhalle – das geht wirklich nur an Fronleichnam…

Es hatte wirklich perfekt geklappt, wir waren im Zug eingereiht. Als Nachhut der Stadträte ließen wir eine kleine Lücke, um selber besser zur Geltung zu kommen; hinter uns marschierten die Professoren der theologischen Fakultäten und die Malteser-Ritter, also durchaus honorige Teilnehmer, deren Importanz durch ihre Uniformen und Ehrenzeichen noch verstärkt wurde.

Ein eher trauriges Bild boten dagegen die Stadträte. Es wäre jetzt ungerecht, gerade die zu kritisieren, die gekommen sind; aber gerademal 15 bis 20 Stadträte, teilweise mit Ehefrau/-mann, aber ohne großes Gefolge, machen halt kein besonders gutes Bild. Wir dagegen haben wirklich gezeigt, daß wir das ganze ernstnehmen: Ich in der Mitte, rechts und links jeweils ein Fahnenträger mit Rautenflagge und dahinter in einer Reihe die restlichen Mitmarschierer, das sah schon ganz gut aus. Freilich wollten wir uns auch in der Öffentlichkeit präsentieren, aber das ist nunmal unsere Tradition und wenn man schon als Ehrengast geladen ist, sollte man auch entsprechend auftreten. Die Fahnen hatten nur unten eine kleine Aufschrift „Bayern-Partei“ (sic, auch wenn wir das heute nicht mehr so schreiben) und waren sonst eher neutral – das hat also eher den Stadtratsblogblock ;-) aufgewertet. Allerdings waren auch auf ein paar hundert Meter die einzigen mit Fahne – hat mich aber nicht gestört.

Ziemlich windig…

Der ganze Zug war nach Medienberichten über drei Kilometer lang, was mich schon auch etwas überrascht hat. Teilnehmer waren Priesterseminare, die Stadtgemeinden, Studentenverbindungen, Münchner Katholiken aus aller Herren Länder (die Kroaten und überraschenderweise die Vietnamesen waren die zahlreichsten), Patrona-Bavariae- und Marienvereine, Handwerkerinnungen, Trachtler, Burschen, etc. Da waren übrigens auch wieder viele Fahnen dabei.

Und so ging der Zug dann – falls das jemand über Google Maps oder altmodisch per Stadtplan nachvollziehen will – vom Marienplatz über die Residenzstraße zum Odeonsplatz, die Ludwigsstraße hinunter bis zur Ludwigskirche, wendete an der Universität und ging das im wesentlichen den Weg wieder zurück, um dann Richtung Frauenkirche abzubiegen. Insgesamt waren das vielleicht fünf Kilometer, ist aber schwer zu schätzen.

Am Dom sprach der Erzbischof dann noch ein paar huldvolle, aber kurze Worte und erklärte die Prozession schließlich für beendet. Damit war für uns die Zeit gekommen, Hunger und Durscht zu stillen und ins Weiße Bräuhaus im Tal zu gehen. Dort hat uns dann die „afro-bayerische“ Kellnerin sogar Unterstützungsformulare unterschrieben. Es geht doch.

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Nicht von mir:

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9 Antworten zu “Fronleichnamsprozession”

  1. Autor: schepsei am 24 Mai, 2008 | Antworten

    Echt, hat die Kellnerin unterschrieben? Find ich gut! War ma glei symphatisch, des Madl, aa wenns mit de Würscht net so highaut hod ;o)

  2. Autor: Georg am 24 Mai, 2008 | Antworten

    „Nach gut 1 1/2 Stunden ging dann die Prozession los“.
    Es waren sogar 2 Stunden!

  3. Autor: Der Stadtrat am 24 Mai, 2008 | Antworten

    Echt, hat die Kellnerin unterschrieben? Find ich gut! War ma glei symphatisch, des Madl, aa wenns mit de Würscht net so highaut hod ;o)

    Naja, das kann aber schon mal passieren, daß man 11 Weißwürscht übersieht. ;-) Die hat zwar Angst gehabt, daß sie Werbung kriegt oder einen Vertrag abschließt, aber nach a bissl gutem Zureden hat sie doch unterschrieben.

    „Nach gut 1 1/2 Stunden ging dann die Prozession los“.
    Es waren sogar 2 Stunden!

    Hör ich da etwa eine gewisse Ungeduld raus? ;-)

  4. Autor: Daniel W. am 25 Mai, 2008 | Antworten

    Dreiviertelacht? *g* Ich dachte, in Bayern sagt man immer „Viertel vor Acht“. Ich musste die bayrischen Kollegen erstmal aufklären, was das bedeutet.

    Aber saufrüh! Das ist ja noch früher, als wir am 1. Mai zur Demo sind. Allerdings waren wir auch keine 3 km lang. :(

    Als Stadtrat und Ehrengast hättest Du Dich doch schon ein bisschen traditioneller kleiden können, oder? ;)

  5. Autor: Die Freundin am 25 Mai, 2008 | Antworten

    Dreiviertelacht? *g* Ich dachte, in Bayern sagt man immer „Viertel vor Acht“.

    Nee, nee. Ich komme ursprünglich aus Hannover und da heißt es „Viertel vor acht“. Es hat ewig gedauert, bis ich verstanden habe, was „dreiviertel acht“ bedeutet. Am Anfang musste ich noch mal fragen, wann man sich nun nach norddeutscher Zeit trifft.

  6. Autor: Der Stadtrat am 25 Mai, 2008 | Antworten

    Die Franken haben außerdem noch die Angewohnheit „viertel acht“ für 7:15 Uhr zu sagen. Das kommt einem wohl ziemlich ungewohnt vor, besitzt aber eine gewisse Logik, wenn man das als „ein Viertel der achten Stunde“ liest – insofern läuft das parallel zu „dreiviertel acht“.

    Als Stadtrat und Ehrengast hättest Du Dich doch schon ein bisschen traditioneller kleiden können, oder?

    Hätte ich nicht, da ich schonmal keine Lederhose besitze – ich spiele übrigens auch in keiner Blaskapelle. So hat aber mit mir im seriösen Anzug und den Fahnenträgern in Tracht auch die Mischung ganz gut gestimmt.

  7. Autor: Daniel W. am 26 Mai, 2008 | Antworten

    Bei mir ist 7:15 auch Viertel Acht.

    Um Sieben. (7:00)
    Viertel Acht.
    Halb Acht.
    Dreiviertel Acht.
    Um Acht.

  8. Autor: Augustin am 26 Mai, 2008 | Antworten

    Wie, Thomas? Keine Lederhose … dann wirds aber Zeit …

  1. 1 Trackback(s)

  2. Feb 17, 2009: Im Stadtrat » Demonstranten und Polizisten

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