Sinus ist doof
Veröffentlicht am 27. Mai 2008 um 19:32 UhrAutor: Der Stadtrat
Das war zumindest der Tenor der meisten Reden in der heutigen Ausschußsitzung (genauer: in der gemeinsamen Sitzung des Schul- und Sportausschusses, des Gesundheits- und Krankenhausausschusses sowie des Ausschusses für Kinder- und Jugendhilfe).
Sinus ist hier allerdings nicht die Winkelfunktion, sondern eine Studie über Ausländer und Inländer ausländischer Abstammung. Interessant sind dabei vor allem diese blasenartigen Darstellungen der verschiedenen Milieus, siehe Seite 5 von der PDF-Datei. Jedenfalls werden da die „Migrationshintergründler“ in erster Linie nach sozialer Schicht und Wertesystem eingruppiert und im Hinblick auf Ambition und Integration untersucht.
Bezahlt haben das einige Verbände, ein Bundesministerium, das Land NRW, die Malteser und schließlich die Stadt München. Jetzt war das Ergebnis aber so gar nicht das, was sich der Stadtrat darunter vorgestellt hat. Gut, 104 Befragte sind jetzt nicht übermäßig repräsentativ, dafür wurden aber stundenlange Gespräche mit ihnen geführt. Die Hauptkritikpunkte waren aber andere:
- Klischees bleiben Klischees, auch, wenn sie wissenschaftlich untermauert sind. Ist das nicht irgendwie auch ein Klischee…?
- Wenn die Ausländer im Gespräch behaupten, daß sie nicht diskriminiert werden, dann darf man ihnen das nicht glauben.
Ein Ergebnis der Studie war übrigens auch, daß die Milieus nicht zwangsläufig mit der Herkunft zusammenhängen, sich aber eine gewisse Relation ausmachen läßt. So sei die zweite Türkengeneration in Deutschland – wenn ich mich jetzt richtig erinnere – überwiegend im als BC3 bezeichneten Milieu anzutreffen. Hierzu meinte ein Kollege dann ernsthaft, diese Seite der Studie sollte „ersatzlos gestrichen“ werden. Man soll also ein Ergebnis nicht veröffentlichen, weil es ihm nicht paßt.
Ich war dann einem Herrn, offensichtlich aus der Katholischen Jugendarbeit, dankbar, der endlich einmal thematisiert hat, daß die Studie nunmal Daten und Fakten liefert und man sich nicht beschweren darf, wenn einem die nicht gefallen. Denn die Quintessenz des ganzen war ja, daß es einerseits „den Ausländer“ nicht gibt, sondern es dort ganz unterschiedliche Milieus gibt; andererseits sind diese Milieus aber auch andere als bei den Einheimischen, man kann also diese Modelle nicht eins zu eins übertragen. Das fand ich ganz interessant und wichtig, aber es gefiel den meisten gar nicht.
So ähnlich ging es dann noch gefühlte fünf Stunden weiter, bis endlich alles gesagt war, was es dazu zu sagen gab, und noch dazu von jedem. Glücklicherweise gab es dann noch eine zweite Studie, diesmal über Schüler, wiederum mit Migrationshintergrund. Da konnte man auch wieder mit ganzer Energie interpretieren, kritisieren und fordern. Außerdem war das ja eine gemeinsame Sitzung mit dem Kinder- und Jugendhilfeausschuß (in dem ist unsere Ausschußgemeinschaft gar nicht vertreten, da wir den Losentscheid gegen die Linken verloren haben), dem außer 14 Stadtratsmitgliedern noch ebensoviele Personen aus der Praxis angehören. Letztere leisten in ihren Vereinen und Verbänden sicher gute Arbeit und haben auch allen Grund, ihre Positionen darzustellen, aber das verzögert die ganze Sache halt enorm.
Darum war ich dann auch ganz froh, als endlich nur noch der KJHA tagte und wir anderen entlassen waren. Um 11:55 Uhr bin ich dann erstmal zum Subway am Viktualienmarkt und hab ein wohlverdientes Meatball-Sandwich gegessen…
Ein paar richtig bemerkenswerte Zitate stell ich noch hier rein, aber ich hab meinen Notizzettel aus der Sitzung im Rathausbüro vergessen.
Allgemeines
Autor: Die Freundin am 27 Mai, 2008 | Antworten
Und wozu war diese Sitzung nun gut? Ich dachte, ihr trefft euch, um wichtige Entscheidungen zu treffen und nicht, um über irgendwelche Studien zu diskutieren!?