SMS auf Boarisch

Veröffentlicht am 16. Januar 2009 um 16:33 Uhr  
Autor: Der Stadtrat
Kategorie: Allgemeines | Autor: Der Stadtrat

Nach einem kurzen Telephongespräch zu dem Thema, erlaube ich mir mal, eine mittlerweile schon etwas ältere Studie zu exhumieren: Laut heute.de schreiben Jugendliche ihre SMS desöfteren auf Bayerisch und sogar auf Bairisch. Das ist trotz des angeführten Vorteils der Kürze schon bemerkenswert. Schließlich gibt es ja dieses T9, mit dessen Hilfe man jede Taste, auf der ein benötigter Buchstabe vorkommt, nur einmal tippen muß. Welche der zahlreichen möglichen Kombinationen nun die richtige ist, wird anhand eines Wörterbuchs ermittelt – und das kann leider nur Schriftdeutsch.

So kommt es dann eben vor, daß aus „28774″ nicht korrekt „Bussi“ gemacht wird, sondern zunächst „Ausri“ (das Wort gibt es doch nicht wirklich, oder!?), bei Drücken der Alternativ-Taste „Aussi“ und erst danach die bayerische Zärtlichkeit. Mit anderen Worten: Wer konsequent Bayerisch schreiben will, muß diese Technik abschalten und für erwähntes „Bussi“ dann die Zahlen „22887777(kurze Pause)7777444″ drücken; die kurze Pause ist nötig, damit das Mobiltelephon den neuen Buchstaben erkennt und nicht auf der Tastenbelegung 7 wieder von vorne anfängt.

Auch, wenn das auf einem echten Handy deutlich intuitiver geht als meine umständliche Beschreibung hier, ist das doch recht umständlich. Wenn man sich sowas trotzdem antut, dann muß das schon seinen Grund haben. Die eine gesparte SMS kann der Grund nicht sein; schließlich sind unsere Kinder heutzutage bekanntermaßen nicht mehr nur Flatratesäufer und Kettenraucher, sondern haben zudem eine monatliche Handyrechnung, mit der man auch eine Eigentumswohnung abbezahlen könnte.

Daher konstatiere ich hier wieder einmal die Renaissance des Bayerischen.

Ich allerdings, und da muß ich mich doch mal outen, verwende das Bayerische bei schriftlichen Mitteilungen so gut wie gar nicht. Das liegt einfach daran, daß es keine bayerische Schriftsprache gibt, die wenigstens einigermaßen allgemein akzeptiert oder zumindest verständlich wäre. Die bairische Wikipedia, die eigentlich meine volle Sympathie hat, scheitert zum Beispiel daran, daß die Artikel sehr schwer lesbar sind. Wenn man sich mal die Anleitung zur Boarischn Umschrift anschaut, dann ist an eigenes Artikelschreiben gar nicht zu denken. Auch wenn diese sehr sonderzeichenlastige Variante gar nicht Pflicht ist, sondern man auch mit den normalen lateinischen Buchstaben schreiben kann – wenn das Schriftbild derart auseinanderfällt, dann relativiert sich der Wert einer Enzyklopädie auch wieder.

Irgendwann gibt es vielleicht auch eine standardisierte bairische Schriftsprache, da gebe ich die Hoffnung nicht auf. Aber vorher muß wohl ein Wunder passieren – die Unabhängigkeit zum Beispiel.

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