Schießen

Veröffentlicht am 31. Januar 2009 um 02:05 Uhr  
Autor: Der Stadtrat
Kategorie: Allgemeines | Autor: Der Stadtrat

Ich bin ja an sich kein Vereins- oder gar Sportmensch. Aber nachdem der Scheps öfters mal von seinem Schützenverein, den Münchner-Kindl-Schützen erzählt hat, hat’s mich dann doch interessiert; und heute bin ich mal zum Vereinsabend hingegangen.

Sowas ist für mich immer ein bißchen komisch, ich hab da Angst, die Leute würden immer meinen, ich wollte nur Wahlkampf machen, Unterschriften sammeln oder einfach nur gschaftln wollen. Aber es war wirklich sehr nett und ich freu mich schon, nächsten Freitag Abend wieder dabeizusein.

Als erstes gab’s was zu essen – gleich ein Pluspunkt. Cevapcici mit Djuvec-Reis sind jetzt nicht gerade Original-Bayerisch, dafür war’s aber trotzdem perfekt. Nach ein bißchen Ratschen im Stüberl bin ich dann runter und hab den erfahrenen Schützen zugeschaut.

Dann durfte ich zum ersten Mal nach ca. zehn Jahren wieder ein Luftgewehr in die Hand nehmen – damals hab ich im Garten eines Bekannten ohne große Professionalität ein paar Kugeln durch die Luft geschossen. Heute war das schon anders, schließlich wollte ich mich ja nicht unbedingt blamieren. Die Kugel (Diabolo, also hinten offen, wahrscheinlich, damit die Druckluft das Ding besser beschleunigt) ungefähr auf den richtigen Weg zu bringen, war einfacher als befürchtet. Ich hatte schon Angst, daß ich Lampen, Fenster, Zuschauer und die Zielscheiben meiner Nebenmänner beschieße; all das ist aber nicht passiert.

Idealerweise sieht man durch das Visier den schwarzen Kreis in der Mitte der Zielscheibe und den am Visier selbst angebrachten schwarzen Ring als Zielhilfe. Wenn beides konzentrisch ist, sollte man abdrücken. Und hier offenbart sich, daß zwischen „ungefähr auf den richtigen Weg bringen“ und „ins Schwarze treffen“ nochmal Welten liegen. Beim Übungsschießen hab ich ca. die Hälfte der Kugeln ins Schwarze bekommen, die anderen Hälfte landete im Weißen. Das hört sich gar nicht so schlecht an, aber dazu muß man berücksichtigen, daß der schwarze Bereich von bestenfalls 10 bis hinunter auf 4 Punkte geht. Also liegen auch zwischen „ins Schwarze treffen“ und „perfekter Schuß“ schon wieder Welten.

Warum ich das alles erzähle? Damit man mal sieht, daß Sportschießen nichts mit sinnlosem Rumballern zu tun hat. Man braucht dafür eine wahnsinnige Konzentration, enorme Geduld und Ruhe. Und es geht nicht ohne Selbstdisziplin, auch mal das Gewehr wieder abzusetzen, wenn man merkt, daß es gerade nicht klappen will.

In Bezug auf jüngere Schützen faßt es die Homepage des Vereins sehr anschaulich zusammen:

Viele Kinder und Jugendliche sind ohne Zweifel von Waffen fasziniert. Wir halten es daher für sinnvoll, der Waffe diese Faszination zu nehmen. Im regelmäßigen sportlichen Training verliert sie ihren Reiz. Das Gewehr bzw. die Pistole erfüllt dann im übertragenen Sinn denselben Zweck wie z. B. ein Golf- oder Tennisschläger. Es wird zum ganz normalen Sportgerät, mit dem hart trainiert werden muss, um das Ziel zu treffen.

Für Kinder unter 10 Jahren haben wir uns ein Lichtpunktgewehr angeschafft. Damit dürfen Kinder jeden Alters das sportliche Schießen üben.

Letzteres finde ich sehr interessant und ich konnte heute auch einer ganz jungen Teilnehmerin beim Schießen mit diesem Lichtgewehr zuschauen. Das Ding schießt keine Kugeln, sondern eben Licht, das von einem Sensor auf der Zielscheibe aufgefangen und ausgewertet wird. Zum gefahrlosen Üben ist das ideal, als Kompensation für präpubertäre Mordgelüste taugt es dagegen kaum.

Trotzdem alldem ist das Vorurteil, man würde am Luftgewehr haufenweise Killer, Machos, Amokläufer, Militaristen oder was auch immer ausbilden, gerade in München recht weit verbreitet. Die Vereine haben, wie mir der Vorsitzende in einem längeren Gespräch ausführlich erklärt hat, keinen leichten Stand und teilweise enorme Probleme, adäquate Räumlichkeiten zu finden. Dabei leisten sie teilweise enorme Jugendarbeit – und sie gehören einfach zu Bayern dazu.

Ich hoffe jedenfalls, daß ich mit den Münchner-Kindl-Schützen bald den einen oder anderen Antrag zugunsten des Schießsports in der Landeshauptstadt zustandebringe. Und nächsten Freitag bin ich hoffentlich wieder dabei und probier’s dann an der Luftpistole.

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Nicht von mir:


4 Antworten zu “Schießen”

  1. Autor: Michael am 31 Jan, 2009 | Antworten

    Ein sehr schön geschriebener Artikel – gefällt mir gut! Richtig aus dem Leben geschriebene Dinge lese ich am liebsten. Tipp: Versuch beim Schießen auf deine Atmung zu achten, sie muss absolut ruhig sein. Beim Ausatmen (letztes drittel) abdrücken;-)

    Viel Erfolg.

  2. Autor: Melanie am 5 Feb, 2009 | Antworten

    Du gehst schießen und erzählst mir das nicht? Nur weil ich am anderen Ende der Welt bin, muss ich das aus dem Blog erfahren. Eieiei…

    Viel Spaß am Freitag. Und fang doch bitte auch besser mit diesen Lichtdingern an. :-)

  3. Autor: Der Stadtrat am 5 Feb, 2009 | Antworten

    „Nur weil ich am anderen Ende der Welt bin, muss ich das aus dem Blog erfahren. Eieiei…“

    Das war als Überraschung gedacht, wenn du dann heimkommst…

  1. 1 Trackback(s)

  2. Sep 17, 2009: Im Stadtrat » Verspäteter Antrag

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