Deutscher Gruß
Veröffentlicht am 23. Februar 2009 um 11:20 UhrAutor: Der Stadtrat
Ich weiß nicht, ob ich es schonmal erwähnt habe, aber ich bekomme ja fast jeden Tag Post aus dem Rathaus. Das ist dann ein großes Kuvert, ca. DIN A3, in dem dann die Rathaus-Umschau, Sitzungsunterlagen und auch einige kleinere Kuverts drin sind. Denn wer an Thomas Hummel, Rathaus, München schreibt, dessen Brief landet in der Poststelle und wird dann gesammelt mit den übrigen Unterlagen durch den städtischen Postdienst verteilt. Vormittags kommt dieser Umschlag dann an und wird in der Regel vor die Vor-Eingangstür, von der aus es dann in einen Vorraum und dann wieder separat in die Geschäftsstelle und in die Wohnung geht, gelegt. Insgesamt sehr praktisch, auch, wenn es für die Stadt bestimmt nicht ganz billig ist.
Dieses Kuvert ist in der Regel doch 5 bis 15 cm dick. Dementsprechend überfliege ich den Inhalt erstmal kursorisch. Gestern fiel mir dann ein Brief einer Rechtsanwaltskanzlei aus Ostdeutschland auf. Sowas habe ich ganz selten in der Rathauspost und darum war ich doch etwas beunruhigt. Irgendein Bild auf meiner Homepage – Abmahnung? Hab ich jemanden beleidigt, der mich jetzt verklagt? Ist „Im Stadtrat“ ein eingetragenes Markenzeichen?
Ah, OK, kein Grund zur Panik. Jemand hat einen Rechtsstreit mit der Stadt München und wollte jetzt über seine Anwälte seine Sicht der Dinge ggü. uns Stadträten darstellen. Das ist selten, aber durchaus legitim. Wen es genauer interessiert: Es ging um Paul Klees Bild „Sumpflegende“. Google gibt einiges dazu her.
So übermäßig brisant war das erstmal nicht, also hab ich die Seiten erstmal überflogen. Die Sache scheint schon etwas älter zu sein, denn je weiter man zurückblättert, desto betagter scheinen die beigelegten Briefe zu sein. Einige davon sogar mit Schreibmaschine geschrieben. Es ging eben um das Bild, Rechtsauffassungen, Anwendbarkeiten von Gesetzen, Beschlagnahme, Heil Hitler. Stand da wirklich gerade „Heil Hitler“?
Ja, tatsächlich. Man kann sich – auch, wenn es heutzutage noch ab und zu Anwälte geben soll, die Schriftsätze so unterschreiben – denken, daß die Sache tatsächlich schon etwas älter sein muß. Das ist übrigens auch die Crux daran, daß das Bild um 1938 herum als „entartete Kunst“ beschlagnahmt wurde und dementsprechend jetzt fraglich ist, was das für die Eigentumsverhältnisse bedeutet.
Auch, wenn das quasi in die Zeit gehört und man ja öfters mal Originaldokumente mit dem „deutschen Gruß“ sieht: Das wirkt auf den ersten Blick schon sehr befremdlich. Do reißt’s oan glei, wie man in Bayern sagt.
Das erinnert mich an eine Anekdote, die über Franz Josef Strauß erzählt wird: Als er in der NS-Zeit das bayerische „Grüß Gott!“ verwendet hat, wurde er darauf hingewiesen, das hieße nun eben „Heil Hitler“. Er sei seiner Zeit wohl zehn Jahre hinterher. Seine Antwort war: „Oder zehn Jahre voraus.“
Übrigens wird „Grüß Gott“ im Norden gern als Imperativ verstanden und man bekommt dann zur Antwort „Wenn ich ihn sehe“. Meist ist es mir zu mühsam, das dann richtigzustellen. Auch „Heil Hitler“ kann man ja als Imperativ verstehen – in einem „Flüsterwitz“ aus dem Dritten Reich ist die Antwort dann „Bin ich Psychiater?“.
Allgemeines
Autor: Daniel W. am 24 Feb, 2009 | Antworten
Äh… stell das mit dem „Grüß Gott“ doch hier mal bitte richtig.
Autor: Der Stadtrat am 24 Feb, 2009 | Antworten
Jetzt dachte ich, das wäre bekannt, aber da hab ich wohl meine nicht-bayerischen Mitleser vergessen.
Das ganze ist ein verkürzter Optativ, also ein Wunsch: „Möge Gott Sie grüßen.“ Und das wurde mit der Zeit eben zur jetzt gebräuchlichen Form verschliffen. Wobei grüßen in dem Zusammenhang natürlich nicht „Hallo sagen“ heißt, sondern eher im ideellen Sinne (Schutz, Beistand, etc.) zu verstehen ist.
Heute merkt man die Herkunft eigentlich nur noch bei der Du-Form des ganzen: „Grias de/eich God!“, also „Es grüße dich/euch Gott!“.
Ziemlich parallel läuft das ganze beim Abschiedsgruß „Pfia God“ bzw. „Pfiad de God“ – das heißt dann „Behüte Sie/dich Gott“.
Ob aber „Grias de“ ein noch kürzeres „Grüß Gott!“ (eben ganz ohne Gott) ist oder vielmehr von „Ich grüße dich“ kommt, darüber streiten sich die Gelehrten.