Nachtwanderung
Veröffentlicht am 27. Februar 2009 um 23:36 UhrAutor: Der Stadtrat
Wenn man desöfteren nachts Plakate aufstellt, dann merkt man schnell, daß ungefähr die Hälfte der Autos, die da noch fahren, Taxis und die Polizei sind. Es gibt aber auch Tageszeiten, zu denen weniger Taxis unterwegs sind (und auch weniger Polizei, aber die hätte mir jetzt auch nicht weiterhelfen können): Dann, wenn Münchens Nahverkehr streikt.
Mein Plan war ja, mit der derzeit nicht streikenden S-Bahn zur Donnersbergerbrücke zu fahren und mir dann ein Taxi Richtung Süden zu angeln. Auf der Brücke selber war entgegen meiner Erinnerung kein Taxistand. Also bin ich langsam in die richtige Richtung gegangen, noch immer in der Hoffnung, daß irgendwann ein freies Taxi (belegte gab es genug…) meinen Weg kreuzen würde.
Ganz pragmatisch gedacht: Wenn das so gewesen wäre, hätte ich es angehalten, wäre eingestiegen, zur Scharnitzstraße gefahren und hätte nichts zu bloggen gehabt. Es mußte also anders kommen…
Da ich schon auf dem Weg war, hab ich nach ca. einem Kilometer dann beschlossen, mir nicht mehr den Hals nach Taxis zu verrenken, sondern gleich zu Fuß zu gehen. 3,3 Kilometer waren es laut Google Maps, also nicht so schlimm. Außerdem ging der Weg (schlauerweise hatte ich mir den vorsichtshalber schon angeschaut) relativ geradeaus. Kein geometrisches Geradeaus, sondern eines mit Kurven, aber man findet hin.
Schließlich gehört zu jeder Straße ja ein Fußweg und den bin ich dann einfach gegangen. Aber plötzlich macht der Fußweg einen Schlenker und biegt in Richtung Autobahn ab. Zwischen mir und meiner kurvigen Geradeausstrecke liegt die Rechtsabbiegerspur. Kein Überweg, keine Unterführung, nichts. Wer hat diese Stadt eigentlich geplant!?
Es hilft nichts, ich muß drüber. Zwei Leute, die die ganze Zeit vor mir gegangen sind, wollen auch geradeaus weiter und beraten sich hilflos, wie sie das am besten bewerkstelligen. Schließlich kehren sie um. Weicheier. Ich nutze die Rotphase der ca. 500 Meter hinter mir liegenden Ampel und sprinte über die Straße. Wenn mich einer dant nimmt, dann hab ich ein Problem. Ich sehe schon die Schlagzeile vor mir: „Stadtrat stirbt bei Horror-Unfall. Bayernpartei setzt Finderlohn auf Extremitäten aus.“
Aber ich bin natürlich wohlbehalten drüben angekommen. Nur war da kein Fußweg. Also bin ich auf der Busspur weitergegangen. Natürlich nicht wirklich auf der Busspur, sondern auf der Art Fußweg, der daneben war. Hinter der Leitplanke. Ich hab keine Ahnung, ob das wirklich ein expliziter Fußweg war, aber ich nehme das zu meinen Gunsten mal an. (Liebe Kinder, bitte nicht nachmachen.)
Und außerdem: Eine Busspur ist eine Busspur, wenn Busse drauf fahren. Wenn es nirgends einen Bus gibt, der sie benutzen könnte, dann gibt es auch niemanden, den ich neben der Busspur behindern könnte. Und überhaupt, wenn ein Bus fahren würde, dann bräuchte ich ja gar nicht erst auf der Busspur zu gehen! So hätte ich das jedenfalls der Polizei erklärt.
Nach ein paar hundert Metern hat dann endlich mein bewährter Fußweg wieder zur Geradeaus-Straße gefunden und ich war relativ bald beim Verein. Bevor ich zur allgemeinen Zufriedenheit meinen Antrag besprochen und Zielscheiben massakriert habe, gab es Lasagne. Wenigstens ein Lichtblick.
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