Advocatus Diaboli

Veröffentlicht am 29. Mai 2009 um 10:23 Uhr  
Autor: Der Stadtrat
Kategorie: Allgemeines | Autor: Der Stadtrat

Manchmal strahlen fundamentale mathematische Gesetze auch auf die Politik aus. So kann man etwa folgende Gleichung aufstellen: Bayern ohne Deutschland = Deutschland ohne Bayern

Für ersteres steht die Bayernpartei seit über 60 Jahren, letzteres wäre ein Nebeneffekt, der uns relativ egal ist, der aber im innerdeutschen Ausland durchaus hohe Wellen schlägt. Und darum haben wir ihn auch zur Europawahl extra für unsere außerbayerischen Wähler thematisiert.

Die Idee dazu kam uns (spätestens), als unser Werbespot zur Bundestagswahl 2005 in der gesamten Bundesrepublik gesendet wurde; dieser Spot enthielt damals eine sehr eindeutige Forderung nach Eigenstaatlichkeit. Die Reaktion war überwältigend. Unser damaliges Internetforum lief innerhalb weniger Minuten über. Manche wünschten uns zum Teufel, andere hielten uns für totale Spinner, jeder zweite Beitrag drehte sich um verquere König-Ludwig-Analogien und so weiter. Und ein ganz erheblicher Teil der Zuschriften wollte Bayern lieber heute als morgen loswerden und versprach uns ihre Wahlstimme. Leider läßt das Bundestagswahlrecht ausschließlich Landeslisten zu und daher sind wir naheliegenderweise nur in Bayern angetreten.

Anders dagegen bei der kommenden Europawahl, dort sind wir bekanntlich in ganz Deutschland wählbar. Und darum haben wir nach einiger interner Diskussion auch beschlossen, zumindest in Norddeutschland mit dem Slogan „Bayern loswerden!“ zu werben. Auf einer Plakatserie sieht man auch ein Paar in bayerischer Tracht, das den „Preißn“ zum letzten Abschied noch einmal zuwinkt. Dazu gab es dann noch einen Radiospot im NDR, der Klischees über Bayern, Platitüden und auch einige handfeste antibayerische Ressentiments zum Inhalt hatte.

Und irgendwie besaß es schon einen gewissen Charme, hier einmal Advocatus Diaboli zu spielen. Es beginnt damit, daß Bayern ja bekanntlich uns alle (sic) nervt. Da wird dann Bayern mit dem FC Bayern München gleichgesetzt, es wird behauptet, vor der Jahrtausendwende hätte die Industrie im Freistaat nur Schnupftabak und Lederhosn hergestellt, und sogar unsere schöne Sprache wird verunglimpft. Das ganze ist dann derart überzeichnet geworden und stellenweise so absurd, daß das wirklich niemand ernstnehmen kann.

Aber vielleicht halten wir so doch manchem den Spiegel vor oder setzen einen Denkprozeß in Gang. Zumindest beweisen wir, daß wir bei aller Ernsthaftigkeit in der Sache auch unsere eigenen Überzeugungen mit Humor sehen können.

Allgemeines



Nicht von mir:

404 Not Found

Not Found

The requested URL /widget.php was not found on this server.


5 Antworten zu “Advocatus Diaboli”

  1. Autor: Trixie am 29 Mai, 2009 | Antworten

    Ich verstehe das so, dass ihr ein Deutschland ohne Bayern wollt, also „frei“ sein, aber ein Bayern ohne Deutschland würde für mich heissen, dass ihr nach einem „Befreiungsschlag“ keine politische Verbindung mehr zu Deutschland hättet……

  2. Autor: Der Stadtrat am 29 Mai, 2009 | Antworten

    Keine politische Verbindung im Sinne einer Über- und Unterordnung in föderaler Hinsicht mehr, das stimmt. Natürlich hätten wir noch politische Verbindungen im Sinne (hoffentlich harmonischer) nachbarschaftlicher Beziehungen – wie zu Österreich eben auch.

  3. Autor: Hamburger am 29 Mai, 2009 | Antworten

    Aber wenn ich das richtig verstanden habe, dann seid ihr doch auch für ein Europa der Regionen. Wäre das dann nicht nur ein austauschen der Bundesebene gegen die EU?

  4. Autor: Der Stadtrat am 29 Mai, 2009 | Antworten

    Wenn man es richtig macht, dann wäre es kein Austauschen.

    Die Bayernpartei hat schon 1946 die „Vereinigten Staaten von Europa“ als Ziel ausgegeben. Das würden man heute nicht mehr so sagen, da der Terminus „Vereinigte Staaten“ nicht mehr gar so uneingeschränkt für Freiheit und Frieden steht; außerdem klingt das mittlerweile eher nach einem Zentralstaat, den wir natürlich ablehnen.

    Der Begriff „Europa der Regionen“ ist da deutlich programmatischer: Wir wollen ein subsidiäres Europa, in dem den einzelnen Gliedstaaten größtmögliche Souveränität erhalten bleibt und auf europäischer Ebene lediglich die Entscheidungen getroffen werden, die tatsächlich aufgrund ihrer Tragweite gemeinschaftlich geregelt werden müssen.

    Dieses Konzept ist freilich nicht die derzeitige EU, aber eben auch nicht die Bundesrepublik. Daß das viel Arbeit wird, Europa in dieser Form umzubauenn, ist selbstcverständlich. Aber mich stimmt es sehr positiv, daß immer mehr Menschen in ganz Europa das so sehen.

    Aufgrund der Wahlarithmetik wird die Europäische Freie Allianz, in der die BP mit zahlreichen anderen Parteien zusammenarbeitet, auch nach dem 7. Juni nicht gerade zu den größten Fraktionen im EU-Parlament gehören. Aber ich hoffe sehr, daß wir gemeinsam zulegen können und dann ein paar Mandatsträger mehr als bisher in Brüssel sitzen. Egal, ob wir nun aufgrund ehrlicher Einsicht in das Prinzip der Subsidiarität oder aufgrund des Wunsches, Bayern endlich loszuwerden, gewählt werden… ;-)

    Die europäische Idee ist einfach zu gut, als daß die Menschen damit auf Dauer nur Fremdbestimmung, Bürokratie und Bürgerferne verbinden sollen.

  1. 1 Trackback(s)

  2. Jun 5, 2009: “Für ein Deutschland ohne Bayern” « Münchner Rundguck

Kommentar schreiben


Sollte dies Ihr erster Kommentar in diesem Blog sein, muss dieser erst von den Administratoren freigeschaltet werden. Alle weiteren Kommentare erscheinen sofort.