Schießstand in der Grundschule

Veröffentlicht am 14. Juni 2009 um 17:59 Uhr  
Autor: Der Stadtrat
Kategorie: Allgemeines | Autor: Der Stadtrat

Die bayerische Gemeinde Olching (Kreis Fürstenfeldbruck) baut eine Schule, an die ein Schießstand angeschlossen ist. Das ist mit Sicherheit anderswo schon hundertfach passiert (siehe z.B. hier), aber bisher war das eben kein Thema. Jetzt hingegen überschlagen sich die Medien vor Empörung: Skandal, verantwortungslos, unglaublich, kurios.

Dabei muß man sich – jenseits der für uns gefährlich klingenden Kombination von Kindern und Waffen – mal fragen, was da eigentlich das Problem sein soll. Das ist ein separates Gebäude. Mit Tür dran. Da kommt keiner so ohne weiteres rein. Und die Waffen sind, so kenn ich das zumindest, nochmal in einem Extra-Raum in einem Panzerschrank untergebracht. Sofern die Sicherheitsvorkehrungen beachtet werden, kann da nichts passieren.

Und wenn ich unbedingt vom Worst Case ausgehe, daß da jemand sämtliche Türen nicht zusperrt, den Tresor offenläßt, die Munition nicht mitnimmt und außerdem noch ein „Hier geht’s zu den Gewehren“-Schild aufhängt, dann ist es eigentlich viel wahrscheinlicher, daß ein Schüler auf dem Schulparkplatz das ungenügend gesicherte Auto eines Lehrers in Gang setzt.

Ich will das nicht verharmlosen; natürlich ist ein Luftgewehr ein gefährlicheres Sportgerät als ein Federball. So ein aus nächster Nähe abgeschossenes Diabolo (Hohlgeschoß) möchte ich nicht ins Aug bekommen.

Aber dasselbe gilt für einen gut gespitzten Bleistift. Mit Bunsenbrennern kann man viel Schaden anrichten. Vom Computerraum sind es nur wenige Klicks zu einem Killerspiel. Wenn Treppen von vielen drängelnden Kindern gleichzeitig benutzt werden, kommt man leicht ins Stolpern. Und von einem umstürzenden Fußballtor im Sportunterricht würde ich mich auch lieber fernhalten.

Diesen „Gefahren“ setzen wir Schüler aber ohne weiteres aus, weil wir halt wissen, daß das in aller Regel gutgeht. Aber bei einem Schießstand erkennen wir ein noch so abstraktes Gefährdungspotential und sehen förmlich vor unserem inneren Auge schon, daß es zu einem Unglück geradezu kommen muß.

Einige Kommentatoren meinten auch, daß sowas ein Schulmassaker begünstigen würde – Winnenden läßt grüßen. Das mag jetzt etwas zynisch klingen, aber wenn jemand so ein Argument bringt, dann muß man das Kind auch beim Namen nennen: Ein Luftgewehr ist zum Massakrieren ziemlich ungeeignet.

Das Ding schießt ein Diabolo ohne meßbares Gewicht (ca. ein halbes Gramm). Eines; genau eines. Danach muß man den Verschluß aufmachen, ein neues Diabolo einlegen, zumachen und unten am Gewehr mit dem langen Hebel, den man nicht zu schnell betätigen darf, den Luftdruck wieder aufbauen. Bevor ich meine Todesliste damit auch nur ansatzweise abgearbeitet habe, hat mich die GSG 9 schon längst gut verschnürt und mit Kapuze über dem Kopf in den Hubschrauber gelegt.

Ja, ich weiß, zynisch. Aber wer wenigstens für ein Fünferl mitdenkt, hat’s hoffentlich kapiert.

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