Kriegsverräter
Veröffentlicht am 30. Juni 2009 um 23:17 UhrAutor: Der Stadtrat
Der Bundestag wird in absehbarer Zeit die Verurteilungen von Wehrmachtssoldaten wegen Kriegsverrats aufheben. Auch, wenn das formell bisher noch nicht passiert ist, so kann man derartige Urteile doch mindestens als gewohnheitsrechtlich nichtig betrachten. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, daß heute irgendjemand einem mittlerweile mindestens 80jährigen vorwirft, daß er im Zweiten Weltkrieg etwas verächtliches über den Führer gesagt hat…
Gar so selbstverständlich ist das freilich auch wieder nicht. In der Spielbankenaffäre hat der BP-Innenminister Geiselhöringer wahrheitsgemäß ausgesagt, er habe nichts Negatives über einen anderen Beteiligten, Herrn Simon Gembicki, gewußt. Dabei konnten ihm nachgewiesen werden, daß er von einer wirklich schrecklichen Vorstrafe Gembickis wußte: Dieser war 1938 wegen ungesetzlicher Flucht aus dem Deutschen Reich verurteilt worden – Gembicki war übrigens Jude.
Daß man eine derartige Vorstrafe auch 1959 noch als Makel empfinden konnte, läßt sich nur mit der Person des Richters erklären: Landgerichtsdirektor Paul Wonhas hat eineinhalb Jahrzehnte vorher als Feldkriegsgerichtsrat in Rußland zahlreiche Soldaten erschießen lassen – aber das waren wohl auch lauter Kriegsverräter…
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