Renten

Veröffentlicht am 19. Juli 2009 um 18:00 Uhr  
Autor: Der Stadtrat
Kategorie: Allgemeines | Autor: Der Stadtrat

Beim ZDF findet man folgende Umfrage:

Die Politik streitet um die Rentengarantie. Wie sehen Sie’s: Sollen die Altersbezüge auch bei sinkenden Löhnen nicht reduziert werden?
( ) Ja, die Rentner brauchen Sicherheit.
( ) Nein, das ist ungerecht für die Jüngeren.

Ich hab nicht mit abgestimmt und ich weiß auch nicht, wofür ich mich entscheiden würde. Denn im Grunde widerstrebt es mir, mich überhaupt damit zu befassen. Argumente gibt es für beide Seiten, die brauch ich nicht auch noch wiederzukauen, da sie in den vergangenen Wochen permanent durch die Medien gingen. Und auch die Parteien, so könnte man mutmaßen, entscheiden sich in erster Linie danach, von welcher Gruppe (Rentner oder derzeitige Arbeitnehmer) sie sich mehr Stimmen erhoffen.

Wie auch immer es nun ausgeht, einen großen Unterschied wird es nicht machen. Denn, wenn überhaupt, würden die Löhne und damit auch die Renten nicht übermäßig sinken. Wenn es aber tatsächlich rapide bergab geht, dann wird die heute ausgesprochene Garantie sehr schnell nichts mehr wert sein. Und trotzdem gibt dieses Versprechen den Betroffenen eine scheinbar ganz behagliche Sicherheit.

Dabei müßte doch eigentlich allen klar sein, daß diese Sicherheit nur eine ganz relative ist. Sozialpolitik war schon immer stark von der Kassenlage beeinflußt und in praktisch jedem Wahlkampf ein Thema. Verläßlichkeit wäre hier nur zu erreichen, wenn Leistungen wie die Rente nicht in die Willkür des dem Bürger übergeordneten Gesetzgebers gestellt würden, sondern Teil eines Vertrages zwischen Gleichen (Bürger und Kapitalanlage-Unternehmen) wären.

Im Endeffekt hätten wir also eine private statt einer staatlichen Rente. Das wäre ein Systembruch.

Das – zudem noch etwas vereinfachte – Problem dabei wäre, daß es zeitgleich Ansprüche der jetzt Alten aus dem alten System und Einzahlungspflichten der jetzt Jungen in das neue System geben würde. Die Generation des Umbruchs würde also doppelt belastet. Sie zahlen dafür, daß man nach dem Zweiten Weltkrieg eine Generation (in dieser singulären Hinsicht) überhaupt nicht belasten konnte. Und das war der große Verdienst des Umlagesystems: Aus dem Nichts wurde ein durchaus leistungsfähiges Rentengefüge aufgebaut. Nur hat die Adenauer’sche Sentenz „Kinder kriegen die Leute immer“ seitdem ihren Wahrheitsgehalt mehr und mehr verloren.

Aber wie wollen wir diesen Umbruch nun bewältigen? Eine doppelte Inanspruchnahme einer Generation wäre eine derartige Belastung, daß sie früher oder später abgewählt würde.

Deutlich besser wäre da eine Möglichkeit, die in letzter Zeit äußerst verpönt war, mittlerweile aber eine Renaissance erlebt: Schulden machen. Nur wären das dann keine Lebensstil-Schulden, weil der Staat mit seinen Einnahmen nicht auskommt, sondern eine Investition in die Zukunft. Wir würden da viele Jahrzehnte dran abzahlen, das ist sicher. Aber das müssen wir sowieso, denn wir reden hier über erarbeitete Ansprüche, die irgendwann auf jeden Fall fällig werde.

Nur hat bisher jede Regierung den Kelch einer wirklichen Reform an sich vorbeigehen lassen – und jedesmal wurde er leerer.

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