Das Leiden des Sepp Hinterhuber

Veröffentlicht am 14. August 2009 um 11:35 Uhr  
Autor: Der Stadtrat
Kategorie: Allgemeines | Autor: Der Stadtrat

Bitte lest folgenden Text einmal unvoreingenommen. Wie wirkt er auf euch?

Die „Auflösung“ kommt im nächsten Artikel.

Bloß nicht nach Neuperlach!

Von Thomas Hummel

Landen bayerische Lehrer in Münchens Osten, kann die Kommunikation zum handfesten Problem werden. Oft verzweifeln sie am ausländischen Akzent ihrer Schüler, verstehen sie einfach nicht.

Der Anfang war hart für Lehrer Sepp Hinterhuber (Name geändert). „Schneidedings“ sagten die Schüler statt „Schere“, und wollten sie Papier haben, riefen sie: „Ey Alter, gib mal Blatt da.“ Oft entschuldigte er sich, er habe einfach nicht verstehen können, was die Schüler gerade sagten – „bitte nochmal langsam“. Langsam sprachen sie dann. Verständlicher eher nicht.

Hinterhuber, 48, Lehrer für Kunst und Englisch, stammt aus der Oberpfalz, er unterrichtete eine Weile in Regensburg und in Niederbayern. Dort hatte er keine Probleme, die Schüler bemühten sich um ein ordentliches Bairisch.

Nur einmal war er am Verzweifeln. Es stand Besuch aus dem Hasenbergl an, Hinterhubers Schule in Passau arbeitete mit einer dortigen Schule an einem gemeinsamen Projekt. Die Münchner radebrechten vor sich hin, die Bayern und Hinterhuber waren ratlos. „Bloß nie nach München versetzt werden, dachte ich.“

Doch der Wunsch hielt nicht lange stand: Eine Aufgabe als Seminarlehrer und besonderer Fachreferent lockten ihn ausgerechnet nach – Neuperlach? Exakt.

Sein erstes Schuljahr dort war erst ein paar Tage alt, als sich Hinterhuber mit seinen Schülern auf unorthodoxe Maßnahmen verständigte. Die besonders groben Akzentsprecher bekamen einen Dolmetscher zur Seite, Hinterhuber wurde im Gegenzug von den Schülern jede Woche ein Zettel mit fünf türkischen Vokabeln zugesteckt. „Aber man konnte das schlecht lernen. Nach einem Gespräch in der Schule ahnte ich oft erst Tage später, was man mir wohl sagen wollte.“ Selbst dann, wenn er die betreffende Vokabel schon gepaukt hatte.

Hinterhuber ist nicht allein mit seinem Problem. Doch auf Hilfe der Politik können er und seine sprachgeplagten Kollegen nicht hoffen: Das bayerische Kultusministerium fördert seit langem den Migrationshintergrund in der Schule. „Der Akzent ist doch ein unverzichtbarer Teil der Sprachkultur einer großen Zahl unserer Schüler“, sagt Ministeriumssprecherin Nicole Steinbach. „Sie trägt zu ihrer Herkunft bei.“

Insbesondere Referendare, die manchmal für bloß sechs Monate an eine fremde Schule geschickt werden, sind schnell mürbe. Ihnen fehlt es noch an Übung im Umgang mit Schülern, sie stehen oft ratlos vor der Klasse. In der knappen Zeit ihrer Ausbildung schaffen sie es ohnehin nur mit Mühe, ein Vertrauensverhältnis zu den Schülern aufzubauen – trennt sie auch noch eine Sprachbarriere, wird es heikel. Wie soll man ein Verhältnis schaffen, wenn zwischen beiden Seiten nur Basiskommunikation abläuft? Die Referendare merken so schnell: Hier werde ich für immer der Fremde bleiben.

Es ist nicht allein das trotzige Lebensgefühl „Hast du Problem!?“. Das Kultusministerium beruft sich auch gern auf Studien, nach denen Schüler mit Migrationshintergrund im Vorteil sein sollen: Sie profitieren demnach von einer bilingualen Erziehung, die es ihnen später leichter machen soll, neue Sprachen zu lernen. Mancher versuchte damit schon, die vergleichsweise guten Pisa-Ergebnisse der Stadtrandbezirke zu erklären.

Doch während die logische Folge nach Ansicht des Kultusministeriums ist, den Akzent an Schulen weiter zu fördern, wünschen sich einheimische Lehrer wie Sepp Hinterhuber das genaue Gegenteil für die Schüler: Sprecht an Schulen Bairisch, sonst lernt ihr es nie! Anfangs verstand Hinterhuber nicht, warum seine Schüler „krass“ sagten statt „pfundig“. Inzwischen kann er sich in der Landeshauptstadt verständigen, in der er lebt und lehrt. Indes: „Bis heute wird mir mulmig, wenn ich Kinder aus den Haushaussiedlungen vor mir habe.“

Und das, obwohl ihm seine Schüler schon nach ein paar Wochen Qual einen Sprachführer schenkten: „Langenscheidt Ghettodeutsch-Bairisch, Bairisch-Ghettodeutsch.“ Das Buch ist humoristisch gedacht. Hinterhuber nahm es sehr ernst.

(Disclaimer: Der Text ist größtenteils nicht von mir und in dieser Version auch nicht ernst gemeint.)

Allgemeines



Nicht von mir:

404 Not Found

Not Found

The requested URL /widget.php was not found on this server.


2 Antworten zu “Das Leiden des Sepp Hinterhuber”

  1. Autor: Daniel Weigelt am 14 Aug, 2009 | Antworten

    Sprecht an Schulen Bairisch?

    Sprecht Deutsch!

    Nu gloar? ;)

    Na ja, wir wirkt der Text.. Er zeigt ein durchaus nachvollziehbares Problem. Allerdings ist Sprache auch nichts Statisches sondern ständigen Veränderungen unterworfen. Ansonsten hätten wir heute nicht alleine so viele deutsche Dialekte.

  2. Autor: Trixie am 15 Aug, 2009 | Antworten

    Nun, ich ver2fel schon vor der eigenen Haustür, ich brauche gar nicht in den Osten.
    Aufgrund, dass es mir schlecht geht, meinte letztens ein junger Mensch im Internet (Teeniealter) zu mir:
    “ Ach, hasse Dissos und Deperso, wirf AD ein, hilft, machse Thera?“
    Ich weiß mittlerweile, was es heisst, aber ich bekomme einfach Depressionen davon. >:(

Kommentar schreiben


Sollte dies Ihr erster Kommentar in diesem Blog sein, muss dieser erst von den Administratoren freigeschaltet werden. Alle weiteren Kommentare erscheinen sofort.