S-Bahn

Veröffentlicht am 16. Dezember 2009 um 22:03 Uhr  
Autor: Der Stadtrat
Kategorie: Allgemeines | Autor: Der Stadtrat

München hat bekanntlich eine S-Bahn. Und die S-Bahn hat eine Stammstrecke. In einem Tunnel. Mit einem Gleis in jede Richtung. Da fahren quasi alle Linien drauf. Sieben Insgesamt. Im 20-Minuten-Takt. Im Berufsverkehr häufiger.

Darum ist diese Stammstrecke desöfteren überlastet. Um die Kapazitäten zu erhöhen, gibt es nun verschiedene Konzepte. Grob gesagt wird entweder ein zweiter Tunnel gegraben oder es wird eine nicht mehr intensiv genutzte Bahntrasse zum Südring ausgebaut. Von diesen Konzepten gibt es wieder verschiedene Untervarianten. Zum Beispiel eine U-Bahn vom Laimer Platz nach Pasing. Und mit der Flughafenanbindung soll das ganze synchronisiert werden. Und Regionalzüge sollten auch noch integrierbar sein.

Dementsprechend läuft die öffentliche Diskussion darüber schon seit vielen, vielen Jahren. Meist allerdings in etwas komprimierterem Umfang. Wir Stadträte hingegen haben vor ein paar Tagen einen Umzugskarton mit Unterlagen dazu bekommen. Das ist keine Übertreibung und keine Metapher, es ist tatsächlich ein Umzugskarton. Es gibt zwar eine Kurzzusammenfassung, aber an sich sollten wir ja die Entscheidungsgrundlage mit allen wissenschaftlichen, bautechnischen und wirtschaftlichen Gutachten auch kennen.

Heute wurden die Konzepte dann von den beteiligten Experten vorgetragen. In insgesamt 3 1/2 Stunden hat jeder zuerst nochmal seine Schlußfolgerungen gezogen, die man anhand der Unterlagen ganz gut nachvollziehen konnte. Als dann aber die Nachfragen kamen, sind wohl die meisten – so mein Blick in die Runde – intellektuell ausgestiegen. Dem Fragensteller ist klar, worüber er gerade redet, und er versteht dann auch die Antwort. Wir anderen haben aber in aller Regel die maßgebliche Stelle in den Dokumenten so schnell nicht gefunden. Zudem kann man die verschiedenen Konzepte, die Namen wie T1, T6 oder VR bezeichnet werden, nicht immer auf Anhieb gedanklich trennen.

Und so muß ich insgesamt sagen, daß ich nicht recht viel schlauer bin. Klar wurde dagegen eines: Auch die Experten sind sich in der Sache alles andere als einig. Und die haben an sich Ahnung davon und bringen eine gewisse Erfahrung mit. Da frag ich mich dann halt schon, wie wir als Stadträte eine kompetente Entscheidung treffen sollen.

Bisher war ich der intuitiven Meinung, daß es billiger sein muß, Schienen einfach auf den Boden zu legen und nicht erst kilometerlang das Erdreich auszubaggern. Mindestens ein Gutachter ist da aber, aus Gründen, die ich zumindest teilweise nachvollziehen kann, anderer Meinung.

Mal praktisch gedacht: Erfahrungsgemäß ist es bei solchen Großprojekten immer so, daß irgendwas nicht ganz hinhaut wie geplant. Es wird teurer, es dauert länger, es ist doch nicht so gut. Insofern bin ich mir schon jetzt im Klaren, daß jede Entscheidung in der Sache früher oder später auf massive Kritik stoßen wird. Andererseits kann die Kritik nicht beweisen, daß eine andere Option besser gewesen wäre.

Und darum ist es im Endeffekt vielleicht gar nicht so entscheidend, welche Möglichkeit realisiert wird. Hauptsache, es passiert was. Auch, wenn die Gleise dann auf Stelzen durch die Fußgängerzone führen…

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