Der Radl-Clown
Veröffentlicht am 30. April 2010 um 09:47 UhrAutor: Der Stadtrat
In einer der letzten Vollversammlungen haben wir eine denkwürdige Kampagne beschlossen. Für einige Millionen Euro sollen die Münchner für’s Radlfahren begeistert werden. Daß das nicht nur wie astreine grüne Klientelpolitik klingt, sondern wohl auch ist, zeigt die Tatsache, daß aus der Stadtratsopposition niemand dafür gestimmt hat und dem Vernehmen nach auch der Koalitionspartner SPD erst überzeugt werden mußte. Aber wie auch immer, Mehrheit ist Mehrheit.
Ein Teil dieser Kampagne sind Flugblätter, „München sucht den Radlstar“-Aktionen, Plakate und Heftl zur Straßenverkehrskunde. Das war uns soweit auch bekannt. Ein ganz neuer Aspekt wurde aber gerade erst thematisiert: Der Radl-Clown. Dieser soll Radlfahrer informell und ohne Strafzettel auf ihr mögliches Fehlverhalten hinweisen. Wen’s näher interessiert, der kann sich die Artikel hierzu bei der Abendzeitung und bei der TZ (inkl. recht aufschlußreicher Bilder) anschauen.
Man kann darüber diskutieren, ob der Ansatz sinnvoll ist oder nicht. Die Debatte wurde auch im Stadtrat lebhaft geführt und ich muß hier nicht die Argumente alle wiederholen. Aber es war schon auffällig, daß eine ernsthafte Diskussion zu so einem Thema einfach nicht möglich ist.
Es hieß unter anderem, Bürgermeister Hep Monatzeder habe sich nun endlich einen Hofnarren zugelegt. Gefragt wurde aber auch ganz sachlich, welche Eingriffsbefugnis der Clown denn so habe. Die Antwort brachte dann aber wieder die anfängliche Abstrusität rein: Der Clown wird natürlich von der Polizei geschult, was er darf und was nicht und wie er sich als vorbildlicher Clown zu verhalten habe. Visionen des „Krusty the Clown College“ aus einer Folge der Simpsons zogen vor meinem geistigen Auge auf.
Manche sorgten sich auch um das Wohlbehalten dieses Kasperls. Wer sich am Hofgarten in den Weg vorschriftswidrig rasender Radlfahrer stelle, werde leicht überfahren. Und ich dachte immer, für einen Kasperl seien Krokodile das größte Risiko.
Durchaus berechtigt war freilich der Einwand, daß nur ein ganz geringer Anteil der Kampagne für den Clown aufgewendet werden. Trotzdem ist es kein Argument für eine Geldverschwendung, daß an anderer Stelle noch viel mehr ausgegeben wird. Aber auch geschätzt 12 Meter hohe Plakate an Baugerüsten, auf denen die Bavaria einen Radlhelm in der Hand hält (gerade jetzt fährt meine S-Bahn an einem solchen vorbei) sind aus meiner Sicht keine so viel bessere Investition.
Irgendwann war dann aber jeder Clown-bezogene Witz mindestens einmal erzählt und wir konnten abstimmen. Der Antrag auf Abschaffung des ganzen wurde – erwartungsgemäß – von der rot-grünen Mehrheit abgelehnt.
Vielleicht beantrage ich mal einen Bairisch-Clown. Der hat auch einen lustigen Hut auf und weist mit einer überdimensionierten Polizeikelle jeden darauf hin, daß er Worte wie „tschüß“, „lecker“ und „kucken“ doch bitte nicht verwenden solle.
Allgemeines
Nicht von mir:
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